Wann ist ein Stoff ein PBT- oder vPvB-Stoff?

Ein PBT-Stoff zeichnet sich durch drei Eigenschaften aus: Er ist persistent (P), bioakkumulierbar (B) und toxisch (T) gemäß den Kriterien in REACH Anhang XIII, während ein vPvB-Stoff nur persistent (P) und bioakkumulierbar (B) ist.

 

Persistent:

 

Dieser Begriff wird vom lateinischen Wort persistere für Verharren abgeleitet. Er bedeutet, dass er schlecht bis minimal abbaubar ist und dadurch langfristig fortbesteht. Weder Organismen wie Bakterien, noch andere natürlich vorkommende Umwelteinflüsse wie Hydrolyse (Spaltung einer chemischen Verbindung durch eine Reaktion mit Wasser) sind in der Lage, zu einer nennenswerten Zersetzung innerhalb eines gewissen Zeitraumes beizutragen.

 

Im Sinne der REACH-Verordnung gilt ein Stoff als persistent, wenn er eines der folgenden Kriterien erfüllt:

  • Die Halbwertszeit in Meerwasser beträgt mehr als 60 Tage
  • Die Halbwertszeit in Süßwasser oder Flussmündungen beträgt mehr als 40 Tage
  • Die Halbwertszeit in Meeressediment beträgt mehr als 180 Tage
  • Die Halbwertszeit in Süßwasserwassersediment oder Flussmündungssediment beträgt mehr als 120 Tage
  • Die Halbwertszeit im Boden beträgt mehr als 120 Tage

Darüberhinaus kann ein Stoff in einer weiteren Steigerungsstufe als sehr persistent (vP von englisch very persistent) bezeichnet werden. Außer bezüglich des Meereskompartiments gelten hier noch strengere Kriterien:

  • Die Halbwertszeit in Meer- oder Süßwasser oder Flussmündungen beträgt mehr als 60 Tage
  • Die Halbwertszeit in Meer-, Süßwasser- oder Flussmündungssediment beträgt mehr als 180 Tage
  • Die Halbwertszeit im Boden beträgt mehr als 180 Tage

Ob ein Stoff in der Umwelt persistent ist, wird durch verfügbare, unter angemessenen Bedingungen ermittelbare Halbwertsdaten, festgestellt. Diese Bedingungen muss der Antragsteller beschreiben.

 

Bioakkumulierbar:

 

Ein Stoff wird in einem lebenden Organismus über die Nahrung oder über das umgebende Medium (etwa Wasser, Boden, Luft) aufgenommen und angereichert. Häufig zeigen fettlösliche (lipophile) Stoffe ein derartiges Verhalten. Sie lagern sich dann vor allem in fettreichen Organen wie der Leber an.

 

Ein Parameter zur Abschätzung des Bioakkumulationspotenzials ist der Biokonzentrationsfaktor BCF (aus dem englischen für BioConcentration Factor). Dieser dimensionslose Parameter beschreibt das Verhältnis zwischen der Konzentration eines Stoffes in einem aquatischen Organismus (etwa in einem Kleinkrebs oder einem Fisch) und dem umgebenden Wasser. Dabei wird lediglich die Aufnahme über durchlässige Körperoberflächen, wie den Kiemen, erfasst, der Aufnahmepfad über die Nahrung wird beim BCF nicht berücksichtigt.

 

Gemäß der REACH-Verordnung erfüllt ein Stoff das Kriterium „bioakkumulierbar", wenn der BCF höher als 2.000 ist.

 

„Sehr bioakkumulierbar" also vB (von englisch very bioaccumulative) ist ein Stoff, wenn der BCF höher als 5.000 ist.

 

Es können sowohl Daten von Süßwasser- als auch von Meereslebewesen herangezogen werden.

 

Anhaltspunkte für ein Bioakkumulationspotenzial kann zudem der n-Oktanol-Wasser-Verteilungskoeffizient Kow bieten. Es ist ein dimensionsloser Verteilungskoeffizient, der das Verhältnis der Konzentrationen eines Stoffes in einem Zweiphasensystem aus n-Oktanol und Wasser angibt. Eher fettlösliche Stoffe reichern sich hierbei vermehrt in n-Oktanol, eher wasserlösliche in Wasser an.

 

Toxisch:

 

Dieses Wort kommt aus dem Griechischen für toxikon = Pfeilgift. Die Giftigkeit einer Substanz kann auf verschiedene Art bestimmt werden. Im Sinne der REACH-Verordnung wird das Kriterium „toxisch" in Bezug auf PBT-Stoffe erfüllt, wenn eine der folgenden Eigenschaften erfüllt ist:

  • Die Konzentration, bei der keine Langzeitwirkungen auf Meeres- oder Süßwasserlebewesen beobachtet werden kann, beträgt weniger als 0,01 mg/L. Diese Langzeitwirkung wird mit Hilfe des NOEC (aus dem Englischen für No-Observed Effect Level) erfasst. Dies ist jene Konzentration, bei der keine signifikanten, beobachtbaren Wirkungen nach längerer Exposition (Kontakt) auftreten. Dieser Wert wird in der Regel experimentell durch Labortests an Wasserorganismen wie Fischen, Algen oder Wasserflöhen ermittelt.
  • Der Stoff wird als karzinogen (= krebserregend) der Kategorie 1 oder 2, als mutagen (= erbgutverändernd) der Kategorie 1 oder 2 oder als fortpflanzungsgefährdend der Kategorie 1, 2 oder 3 eingestuft.
  • Es gibt andere Belege für eine chronische Toxizität eines Stoffes, die eine Einstufung mit dem Risikosatz (R) 48 (Gefahr ernster Gesundheitsschäden bei längerer Exposition) gemäß der Stoffrichtlinie 67/548/EWG bedingen. Es fallen auch Stoffe darunter, die diesen Gefahrenhinweis in Kombination mit anderen Risikosätzen beinhalten. Ob die Einstufung mit dem Gefahrensymbol T (= Giftig) oder Xn ( = Gesundheitsschädlich)erfolgt, ist hierbei nicht relevant.

 

Bisher wurden von einer europäischen Arbeitsgruppe 23 Stoffe als PBT oder als PBT und vPvB  identifiziert.

Letzte Änderung: 03.09.2013